• Home
  • Cornelia Grundner

Interview Cornelia Grundner

Was möchten Sie den Menschen mit Ihrer Ausstellung erzählen?

Meine Geschichte beginnt mit „night and day.“

Was passiert hinter diesem bunten Vorhang? Etwas verändert sich. - Sogar die Uhr hat ihre Zeiger verloren.

Wenn wir aus alten Strukturen ausbrechen wollen, brauchen wir eigene Werte.

Welche Konsequenzen bringt der Ausbruch aus alten Strukturen?

Lernen zu sich selbst zu stehen. - Durch die intensive Kommunikation mit Hanane Malki ist mir klar geworden, dass es auch für mich um viel mehr geht als nur um eine Messe mit Ausstellung.

Herr Peter Hartz hat mir seinen Status verpasst. Ich war nicht mehr gefragt.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Projekt „die Zukunft ist weiblich“, wurde mir immer stärker bewusst, dass ich darüber reden muss.

Herr Peter Hartz & Co, haben Menschen ausgegrenzt. Sie haben eine soziale Treppe nach unten gebaut. - Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen, ziehen sich zurück, isolieren sich.

Ich bin, nach einer langen Zeit des Rückzuges, mit meinem „Sozialpass“ ins Theater gegangen. Die Kassenkräfte hatten keine Ahnung wie sie das Kassensystem bedienen müssen, damit ich eine verbilligte Karte bekomme. So handelten sie sehr unkonventionell! Ich bekam eine Freikarte.

Super Toll! Ich habe mich riesig gefreut und möchte mich noch einmal bedanken.

Auch in einem Museum zeigte ich meine „Superkarte“ vor. Dieses Mal hatte ich eine große Menschenschlange hinter mir. An der Kasse musste man erst lautstark über meine Sozialkarte diskutiert, weil wieder niemand genau wusste wie man sie ins System eingibt.

Die Hälse und Ohren der Leute wurden immer länger. Ich dachte an Flucht und war auch schon auf bissige Bemerkungen gefasst. Die blieben mir Gott sei Dank, erspart.

Diese Geschichten haben aber eine zusätzliche, bittere Seite.

Wenn das Kassenpersonal nicht weiß, wie sie eine „Sozialkarte“ im Kassensystem eingeben muss, bedeutet das nichts anderes, als das es kaum einen Sozialhilfeempfänger gibt, der den Mut aufbringt, sich mit so einer Karte auszuweisen.

Oder er spart sich eine Theaterkarte vom Mund ab, nur um nicht als „Außenseiter“ erkannt zu werden.

Die übliche Variante ist, dass diese Menschen einfach nicht mehr am kulturellen Leben teilnehmen. Sich isolieren, vereinsamen, in Drogen oder Alkohol flüchten, an Depressionen erkranken oder zu Terroristen in den Genossenschaftswohnungen werden.

Das heißt auch, dass diese Menschen auf Lebensqualität, neue Erfahrungen, Wissen, neue Bekanntschaften verzichten, die ihnen vielleicht neue Wege eröffnen könnten.

Es gab bereits einmal eine Gesellschaftsschicht, die eine besondere „Kennkarte“ bekam. Damals, - ist noch nicht so lange her!

Was muss passieren, damit die Zukunft weiblich wird?

Wir dürfen nicht einfach ungeprüft die männlichen Werte und Regeln übernehmen.

Wir brauchen endlich eine weibliche Balance.

Wenn ich unsere Gesellschaftsstruktur malen würde, dann könnten sie über folgendes Bild lachen: Stellen sie sich eine Wippschaukel vor. Auf der einen Seite sitzt der Komiker, Karl Valentin und auf der anderen Seite, der Kabarettist, Ottfried Fischer.

Warum nehmen Sie an dieser Messe teil?

Ausgrenzung ist Erniedrigung und eine Form von Gewalt.

Über die Malerei habe ich eine eigene Ausdrucksform gefunden. Sie war für mich aber auch Therapie.

Sie hat mir die Kraft und den Mut gegeben wieder ins Außen zu gehen. Mit der Botschaft, dass ich einen eigenen Weg gefunden habe und mich über mich selbst definiere.

Warum haben Sie ausgerechnet das Fragezeichen als Logo gewählt?

„…Wenn einer Heute irgendwo nicht mehr lügt, dass nennt man jetzt die Sünde.“

Andre’ Heller Weil ich gelernt habe, Fragen zu stellen die uns niemand beantworten will.

Ist „Leila“ ein Märchen?

Nein. „Leila“ hat biografische Züge.

LAILA*Leila

Brütend heiß, - eine erbarmungslose Hitze!

Wir saßen in kurzen Hosen, in T-Shirts, in der Bergbahn Richtung München.

Ein Mann, mit kurzärmeligem Hemd stieg ein. Zwei kleine Mädchen stürmten

hinter ihm ins Abteil.

Und dann schleppte sich Laila, ganz ins Schwarz gekleidet, in die Bahn.

Die einzige Öffnung ihrer Kleidung, - ein Sehschlitz.

Der Zug hielt an jeder Station. Da bemerkte ich, dass diese kleine Familie mehrmals die Plätze wechselte.

Warum?

Laila durfte nur dann ihren Schleier lüften, wenn kein männliches Wesen

In ihrer Nähe saß.

Für einen Moment trafen sich unsere Augen. Sie war das schönste Wesen

das ich jemals sehen durfte.

Dennoch musste ich mich abwenden, - aus Angst!

Angst, - im tiefen Brunnen ihrer Traurigkeit zu ertrinken.

Unsere Seelen begegneten sich im Sommer 2013

*Laila = Nacht, nächtlich

Wahida = einzigartig

Leila ist Jazz. „PICTURE OF HEATH“.

Jetzt verliert die Uhr ihre Zeiger.

 

DWAHIDA ie Hauptdarstellerin „Leila“, bricht aus ihrer traditionellen Zwangsrolle aus. Das ist ein langer, schmerzhafter Prozess. Durch Fremdeinflüsse werden Selbstzweifel, Trauer, Wut, Schmerz, Hoffnung, Ängste, ins extremste gesteigert. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Letztendlich gewinnt „Leila“, weil sie eine eigene Vision hat, an die sie glaubt, die sie stark macht und mit der sie alle Hindernisse überwindet.

 

„Leila“ verwandelt sich in „Wahida“.